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Gleitzeit: Wann Sie anfangen, ist Ihre Sache. Fast.

Eine halbe Stunde später kommen, weil das Kind noch zum Arzt muss: Dafür ist Gleitzeit gut. Spannend wird es erst am Monatsende, wenn das Konto 30 Plusstunden zeigt und niemand genau weiß, was damit passiert. Dazu steht im Gesetz nämlich so gut wie nichts.

6 Minuten Lesezeit Stand:

Kurz erklärt

Was ist Gleitzeit?

Gleitzeit ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem Beschäftigte Beginn und Ende ihres Arbeitstags innerhalb eines vereinbarten Rahmens selbst wählen. Oft gibt es eine Kernarbeitszeit, in der alle da sein müssen, und ein Arbeitszeitkonto für Plus- und Minusstunden. Ein eigenes Gleitzeit-Gesetz gibt es nicht: Die Regeln stehen in Vertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.

10 Std
am Werktag höchstens, auch bei Gleitzeit
11 Std
Ruhezeit, auch bei Gleitzeit
§ 87
BetrVG: Der Betriebsrat bestimmt mit

So kann es aussehen

Ein Rahmen, zwei ganz verschiedene Arbeitstage

Beide Beispiele kommen auf acht Stunden Arbeit plus 30 Minuten Pause. Sie treffen sich in der Kernzeit und sonst nicht unbedingt.

Der Rahmen, 7 bis 19 Uhr

Gleitzeit
Kernzeit 9:30 bis 15:00
Gleitzeit

Früh, 7:00 bis 15:30

anwesend

Spät, 9:30 bis 18:00

anwesend

Die Zeiten sind ein Beispiel. Rahmen und Kernzeit legt jeder Betrieb selbst fest.

Begriffe

Was womit gemeint ist

Die meisten dieser Wörter stehen in keinem Gesetz. Deshalb lohnt es sich, im eigenen Betrieb einmal aufzuschreiben, was genau gemeint ist.

BegriffBedeutungWorauf es ankommt
RahmenarbeitszeitDer Zeitraum, in dem überhaupt gearbeitet werden darfSollte die Ruhezeit von 11 Stunden nicht gefährden
KernarbeitszeitDie Zeit, in der alle anwesend sein müssenWas gilt, wenn jemand darin zum Arzt muss?
FunktionszeitDie Abteilung muss besetzt sein, wer da ist, klärt das TeamPasst gut, wenn Kunden anrufen
VertrauensarbeitszeitBeginn und Ende bestimmen Beschäftigte selbst, gezählt wird nicht auf ein KontoDas Vertrauen ersetzt keine Erfassung, siehe unten
ArbeitszeitkontoSammelt die Abweichung vom Soll, im Plus oder im MinusGrenzen und Ausgleich vorher festlegen

Aus der Praxis

Drei Wochen auf dem Konto

Eine Beraterin der Bauer KG hat 40 Stunden pro Woche im Vertrag. In der Woche vor dem Kundenworkshop bleibt sie länger, danach geht sie an zwei Tagen früher. Am Ende stehen 3,5 Plusstunden auf dem Konto.

Sind das Überstunden? In der Regel nicht. Bei Gleitzeit sind Plusstunden erst einmal nur eine andere Verteilung der Arbeitszeit, die später ausgeglichen wird. Überstunden liegen eher vor, wenn Mehrarbeit angeordnet oder geduldet wird und über das vereinbarte Maß hinausgeht. Was genau gilt, muss in der Vereinbarung stehen, sonst gibt es am Ende Streit.

WocheSollIstAbweichungKonto
Woche 14044+4+4
Woche 24042,5+2,5+6,5
Woche 34037-3+3,5

Regeln

Was in eine Gleitzeit-Vereinbarung gehört

1

Rahmen und Kernzeit

Von wann bis wann, und was gilt an Brückentagen oder wenn der Kunde um 8 Uhr den Termin will?

2

Grenzen des Kontos

Wie viele Plus- und Minusstunden sind in Ordnung? Das Gesetz nennt dafür keine allgemeine Zahl.

3

Ausgleich

Bis wann muss abgebaut werden, und wer darf entscheiden, wann? Ohne Stichtag wächst das Konto einfach weiter.

4

Abwesenheit

Krankheit und Urlaub zählen in der Regel wie ein Tag mit normalem Soll. Bei Arztterminen und Dienstreisen gehen die Regeln oft auseinander.

5

Ende des Arbeitsverhältnisses

Was passiert mit Guthaben und was mit Minusstunden? Das regeln Sie besser vorher als hinterher.

Für beide Seiten

Freiheit mit Grenzen

Wenn Sie Beschäftigte sind

  • Ein Anspruch auf Gleitzeit steht nicht im Gesetz. Er kann sich aus Vertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung ergeben.
  • Das Arbeitszeitgesetz läuft mit: Mehr als zehn Stunden am Werktag, zu kurze Pausen oder weniger als elf Stunden Ruhe sind auch bei Gleitzeit nicht erlaubt.
  • Konto im Blick behalten: Schauen Sie regelmäßig nach, und reden Sie früh, wenn sich Plusstunden ansammeln, die Sie gar nicht abbauen können.

Wenn Sie Arbeitgeber sind

  • Betriebsrat: Er bestimmt bei Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG), bei technischen Einrichtungen wie Zeiterfassung ebenfalls (Nr. 6).
  • Erfassen: Zeiten über acht Stunden am Werktag müssen ohnehin aufgezeichnet werden (§ 16 Abs. 2 ArbZG). Nach dem Bundesarbeitsgericht (1 ABR 22/21) geht die Pflicht weiter.
  • Mindestlohn: Bei schriftlichem Zeitkonto müssen Plusstunden innerhalb von zwölf Kalendermonaten ausgeglichen werden, soweit der Mindestlohn nicht schon gezahlt ist. Eingestellt werden dürfen monatlich höchstens 50 % der vereinbarten Arbeitszeit (§ 2 Abs. 2 MiLoG).

In teamspace

Ein Zeitkonto, das jeder selbst nachschauen kann

In teamspace hinterlegen Sie Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Vertrauenszeit. Mitarbeitende checken per Klick ein und aus, die Wochenansicht fasst Arbeitszeit, Urlaub und Überstunden zusammen. Mehr zur Mehrarbeit steht unter Überstunden erfassen.

  • Drei Regeln für Überstunden: aus der Anwesenheitszeit, aus Projektzeiten oder gar nicht, bei Vertrauensarbeit.
  • Grenzen: Überstundenschwelle pro Monat oder Jahr, dazu „Max. Überstunden / Monat“ und „Max. Überstunden absolut“.
  • Ampel: Ein Ampelsystem zeigt den Stand von Arbeitszeit- und Überstundenkonto.
Zeiterfassung in teamspace: Tagesansicht mit gebuchten Zeiten je Projekt und Stunden je Wochentag.

Noch kein System im Einsatz?

Starten Sie mit unserer kostenlosen Vorlage.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gleitzeit und Überstunden?
Gleitzeit verschiebt die vereinbarte Arbeitszeit, am Ende soll das Konto wieder ungefähr aufgehen. Überstunden sind zusätzliche Arbeit über das Vereinbarte hinaus. Wo die Grenze im Betrieb verläuft, entscheidet die Vereinbarung, Gesetzesdefinitionen gibt es dazu nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit?
Bei Gleitzeit wird gezählt, meist auf einem Konto. Bei Vertrauensarbeitszeit verzichtet der Arbeitgeber darauf, die Stunden zu kontrollieren. Die gesetzlichen Grenzen gelten in beiden Fällen.
Muss bei Vertrauensarbeitszeit die Arbeitszeit erfasst werden?
Davon sollten Sie ausgehen. Das Bundesarbeitsgericht leitet aus § 3 Abs. 2 Nr. 1 Arbeitsschutzgesetz eine Pflicht ab, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit zu erfassen (1 ABR 22/21). Eine Ausnahme für Vertrauensarbeitszeit nennt die Entscheidung nicht.
Verfallen Plusstunden auf dem Gleitzeitkonto?
Eine allgemeine gesetzliche Regel dafür gibt es nicht, es kommt auf die Vereinbarung an. Klauseln, die Guthaben kappen, können problematisch sein, wenn die Stunden tatsächlich gearbeitet wurden. Lassen Sie so etwas im Zweifel prüfen.
Wie viele Minusstunden sind bei Gleitzeit erlaubt?
Das Gesetz nennt keine Zahl. Viele Betriebe legen eine Grenze fest, und ein Ampelkonto warnt dann, bevor es eng wird. Maßgeblich ist, was bei Ihnen vereinbart wurde.
Kann der Arbeitgeber die Gleitzeit wieder abschaffen?
Das hängt von der Grundlage ab. Steht sie im Arbeitsvertrag, geht das in der Regel nicht einseitig. Bei einer Betriebsvereinbarung muss der Betriebsrat beteiligt werden. Beruht sie nur auf gelebter Praxis, ist die Lage unklarer. Im Einzelfall lohnt sich anwaltlicher Rat.

Nächster Schritt

Zeitkonten, über die niemand streiten muss?

Wir zeigen Ihnen, wie Arbeitszeitmodelle, Überstundenregeln und Konto in teamspace zusammenspielen. Ob das zu Ihrem Betrieb passt, besprechen wir offen.

30 Minuten, kostenlos, mit jemandem aus unserem Team in Darmstadt