Das Arbeitszeitgesetz, ohne Juristendeutsch
Acht Stunden, zehn Stunden, 48 Stunden: Die Zahlen kennt jeder, durcheinander gehen sie trotzdem. Hier steht, was das Gesetz wirklich vorgibt, für wen es nicht gilt und was passiert, wenn sich ein Betrieb nicht daran hält.
7 Minuten Lesezeit Stand:
Kurz erklärt
Was regelt das Arbeitszeitgesetz?
Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) legt fest, wie lange Beschäftigte in Deutschland arbeiten dürfen und welche Pausen und Ruhezeiten ihnen zustehen. An Werktagen sind acht Stunden die Regel, bis zu zehn sind erlaubt, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Schnitt acht Stunden nicht überschritten werden. Sonn- und Feiertage sind grundsätzlich arbeitsfrei.
- 8 Std
- am Werktag als Regel, § 3 ArbZG
- 10 Std
- am Werktag höchstens, mit Ausgleich
- 30.000 €
- Bußgeld bis zu dieser Höhe, § 22 ArbZG
Auf einen Blick
Die Grenzen, die im Alltag zählen
| Thema | Was gilt | Wo es steht |
|---|---|---|
| Arbeitszeit am Werktag | 8 Stunden, bis zu 10 Stunden mit Ausgleich | § 3 |
| Ausgleich | Im Schnitt 8 Stunden je Werktag, innerhalb von 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen | § 3 |
| Pausen | 30 Minuten bei mehr als 6 Stunden, 45 bei mehr als 9 | § 4 |
| Ruhezeit | 11 Stunden am Stück nach Feierabend | § 5 |
| Nachtzeit | 23 bis 6 Uhr, in Bäckereien und Konditoreien 22 bis 5 Uhr | § 2 Abs. 3 |
| Sonn- und Feiertage | Grundsätzlich keine Beschäftigung, von 0 bis 24 Uhr | § 9 |
| Freie Sonntage | Mindestens 15 im Jahr, auch wenn sonntags gearbeitet werden darf | § 11 Abs. 1 |
| Aufzeichnung | Alles über 8 Stunden am Werktag, Nachweise mindestens 2 Jahre aufheben | § 16 Abs. 2 |
48 Std
im Schnitt pro Woche: 6 Werktage mal 8 Stunden
Die Woche
Eine Wochengrenze steht so gar nicht drin
Das Gesetz rechnet mit Werktagen, und dazu gehört auch der Samstag. Daraus ergeben sich rechnerisch 48 Stunden im Schnitt. Die 40-Stunden-Woche kommt aus dem Arbeits- oder Tarifvertrag, nicht von hier. Eine einzelne Woche darf auch darüber liegen, sechs Tage mit je zehn Stunden wären 60, solange der Ausgleich am Ende stimmt.
Aus der Praxis
Acht Wochen Endspurt, sauber durchgerechnet
Die Weber GmbH hat vor einem großen Kundentermin viel zu tun. Acht Wochen lang arbeitet das Team montags bis freitags je zehn Stunden. Danach geht es zurück auf die üblichen 40 Stunden.
Das passt: Erlaubt wären in 24 Wochen 1.152 Stunden, geleistet sind 1.040. Ein Tag mit elf Stunden bleibt trotzdem verboten, der Ausgleich hebt die Zehn-Stunden-Grenze nicht auf. Und wie die Mehrarbeit bezahlt wird, regelt dieses Gesetz gar nicht.
| Zeitraum | Wochen | Stunden je Woche | Stunden gesamt |
|---|---|---|---|
| Endspurt | 8 | 50 | 400 |
| Normalbetrieb | 16 | 40 | 640 |
| Zusammen | 24 | im Schnitt 43,3 | 1.040 |
Sonderfälle
Nacht, Sonntag und der echte Notfall
Nachtarbeit
Nachtarbeit ist jede Arbeit, die mehr als zwei Stunden der Nachtzeit umfasst. Für Nachtarbeitnehmer gilt ein kürzerer Ausgleich von einem Kalendermonat oder vier Wochen. Sie dürfen sich regelmäßig arbeitsmedizinisch untersuchen lassen und haben Anspruch auf freie Tage oder einen Zuschlag (§ 6 ArbZG).
Sonntag und Feiertag
§ 10 nennt 16 Ausnahmen, darunter Krankenhäuser, Gaststätten und die Betreuung von Datennetzen und Rechnersystemen. Voraussetzung ist, dass die Arbeit nicht an Werktagen erledigt werden kann. Dafür gibt es einen Ersatzruhetag: nach einem Sonntag innerhalb von zwei Wochen, nach einem Feiertag innerhalb von acht (§ 11 Abs. 3).
Notfälle
Bei Notfällen und außergewöhnlichen Fällen, die niemand beeinflussen kann, darf vorübergehend abgewichen werden (§ 14). Ein schlecht geplantes Projekt dürfte kaum darunterfallen. Auch dann gelten im Schnitt höchstens 48 Stunden pro Woche.
Geltungsbereich
Für wen es gilt, und für wen nicht
| Wer | Gilt es? | Warum |
|---|---|---|
| Angestellte, Arbeiter, Auszubildende | Ja | § 2 Abs. 2, unter 18 Jahren aber siehe unten |
| Teilzeit und Minijob | Ja | Keine Ausnahme vorgesehen. Mehrere Jobs werden zusammengerechnet (§ 2 Abs. 1) |
| Homeoffice | Ja | Das Gesetz macht beim Arbeitsort keinen Unterschied |
| Leitende Angestellte, Chefärzte | Nein | § 18. Gemeint ist § 5 Abs. 3 BetrVG, ein Titel auf der Visitenkarte reicht nicht |
| Unter 18 Jahren | Nein | Dafür gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz (§ 18 Abs. 2) |
| Selbstständige, in der Regel auch GmbH-Geschäftsführer | Nein | Keine Arbeitnehmer im Sinne von § 2 Abs. 2 |
Ausgenommen sind außerdem unter anderem Leiter öffentlicher Dienststellen und der liturgische Bereich der Kirchen (§ 18 Abs. 1).
Für beide Seiten
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie Beschäftigte sind
- Überstunden: Das Gesetz zieht nur die Grenze. Ob Sie überhaupt Mehrarbeit leisten müssen, steht in Vertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.
- Zweitjob: Die Stunden bei beiden Arbeitgebern zählen zusammen.
- Wenn nichts hilft: Überwacht wird das Gesetz von den Aufsichtsbehörden der Länder (§ 17). Meist lohnt zuerst das Gespräch mit Führungskraft oder Betriebsrat.
Wenn Sie Arbeitgeber sind
- Aushang: Das Gesetz muss für alle zugänglich sein, per Aushang, Auslage oder über die im Betrieb übliche Technik (§ 16 Abs. 1). Fehlt das, drohen bis zu 5.000 Euro.
- Bußgeld: Bei Verstößen gegen Arbeitszeit, Pausen, Ruhezeit, Sonntagsruhe oder Aufzeichnungspflicht bis zu 30.000 Euro (§ 22).
- Straftat: Wer vorsätzlich die Gesundheit gefährdet oder beharrlich wiederholt verstößt, riskiert bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (§ 23).
- Erfassen: Wie weit die Pflicht reicht, steht unter Zeiterfassungspflicht.
In teamspace
Ob die Grenzen eingehalten werden, zeigen die Zahlen
Ob ein Betrieb das Gesetz einhält, hängt davon ab, wie er arbeitet, nicht von einer Software. In teamspace sehen Sie aber, was tatsächlich gearbeitet wurde: Mitarbeitende melden sich per Klick an und ab, auch zu Pausen.
- Nachvollziehbar: Beginn, Ende, Pausen und Korrekturen stehen mit Bearbeiter und Zeitstempel fest.
- Überblick: Die letzte Woche mit Soll und Ist und den Check-in- und Check-out-Zeiten, dazu ein Excel-Bericht.
- Ampel: Ein Ampelsystem zeigt den Stand von Arbeitszeit- und Überstundenkonto.
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Häufige Fragen
Wie viele Stunden darf man laut Arbeitszeitgesetz pro Woche arbeiten?
Darf man 12 Stunden am Tag arbeiten?
Gilt das Arbeitszeitgesetz auch für Minijobber?
Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz?
Muss das Arbeitszeitgesetz im Betrieb aushängen?
Wird das Arbeitszeitgesetz geändert?
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