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Gemeinkosten: warum eine Beraterstunde mehr kostet als das Gehalt

Wer den Stundensatz nur aus dem Gehalt ableitet, arbeitet am Jahresende womöglich umsonst. Miete, Software, Buchhaltung und Vertrieb zahlt schließlich auch jemand. Hier steht, was zu den Gemeinkosten gehört und wie Sie sie in den Preis einrechnen.

5 Minuten Lesezeit Stand:

Kurz erklärt

Was sind Gemeinkosten?

Gemeinkosten sind Kosten, die sich keinem einzelnen Produkt, Projekt oder Auftrag direkt zuordnen lassen, zum Beispiel Miete, Verwaltung und Software. Das Gegenstück sind Einzelkosten, die direkt einem Auftrag zugerechnet werden können, etwa die Stunden eines Beraters im Kundenprojekt. Damit der Preis alle Kosten deckt, werden Gemeinkosten über einen Zuschlag auf die Einzelkosten verteilt.

Einzelkosten
direkt einem Auftrag zurechenbar
Gemeinkosten
fallen für mehrere Aufträge oder das ganze Unternehmen an
GK ÷ EK
ergibt den Zuschlagssatz, mal 100 in Prozent

Bei Dienstleistern

Hier sind die Stunden das eigentliche Produkt

In Lehrbüchern geht es meist um Material und Maschinen. Bei einer Beratung, Agentur oder einem IT-Dienstleister sieht die Sache anders aus.

Einzelkosten

  • Stunden der Mitarbeitenden im Kundenprojekt
  • Freie Mitarbeitende für genau dieses Projekt
  • Reisekosten für diesen Kunden
  • Lizenzen, die nur dieses Projekt braucht

Gemeinkosten

  • Interne Besprechungen, Fortbildung, Urlaub und Krankheit
  • Miete, Strom, Reinigung, Software und IT
  • Geschäftsführung, Buchhaltung, Sekretariat
  • Marketing, Vertrieb und Angebote, die nichts geworden sind

420

Stunden im Jahr, die niemand bezahlt

Der blinde Fleck

Auch die nicht verkauften Stunden kosten Geld

Eine Beraterin, die 1.260 von 1.680 Arbeitsstunden auf Projekte bucht, kostet die anderen 420 Stunden trotzdem. Wie Sie von den Arbeitstagen zu den verkaufbaren Stunden kommen, zeigt die Seite zu den Arbeitstagen pro Jahr.

Selbst ausrechnen

Was muss Ihre Stunde mindestens kosten?

Tragen Sie Ihre Jahreszahlen ein. Vorbelegt ist das Beispiel der Müller Consulting GmbH von weiter unten.

Ergebnis

 

Vom Zuschlag zum Stundensatz

So entstehen aus 55 Euro Personalkosten 101,20 Euro

Wer diese Stunde für 90 Euro verkauft, hat zwar sein Gehalt mehr als gedeckt, aber fast nichts verdient. Bei 85 Euro legt er sogar drauf, auch wenn das Projekt auf den ersten Blick einen schönen Überschuss zeigt.

55,00 €
33,00 €
13,20 €
  • Direkte Personalkosten: 55,00 €
  • plus 60 % Gemeinkosten: 33,00 €, das ergibt 88,00 € Selbstkosten
  • plus 15 % Gewinnzuschlag: 13,20 €, das ergibt 101,20 € je Stunde

Unsere Vorlage zur Stundensatz-Kalkulation rechnet diesen Weg mit Ihren eigenen Zahlen durch, inklusive der Feiertage je Bundesland.

Ein Beispiel

So kommt der Zuschlagssatz von 60 % zustande

Die Müller Consulting GmbH hat im vergangenen Jahr diese Kosten gehabt. Der Zuschlagssatz ergibt sich aus Gemeinkosten geteilt durch Einzelkosten: 360.000 € ÷ 600.000 € × 100 = 60 %. Auf jeden Euro direkter Personalkosten kommen also 60 Cent Gemeinkosten.

PositionBetrag
Personalkosten für verrechenbare Projektstunden (Einzelkosten)600.000 €
Miete und Nebenkosten96.000 €
Software und IT48.000 €
Geschäftsführung, Verwaltung, Vertrieb150.000 €
Personalkosten für nicht verrechenbare Zeit66.000 €
Gemeinkosten zusammen360.000 €

Arten von Gemeinkosten

Die klassische Einteilung, übersetzt für Dienstleister

Die Lehrbuch-Kategorien stammen aus der Produktion. Für Dienstleister lassen sie sich so lesen.

ArtLehrbuchBei einem Dienstleister
MaterialgemeinkostenEinkauf, Lagerkommt meist kaum vor
FertigungsgemeinkostenMaschinen, Meisternicht verrechenbare Zeit, Werkzeuge, Lizenzen
VerwaltungsgemeinkostenGeschäftsführung, Buchhaltungdasselbe, dazu Sekretariat und IT
VertriebsgemeinkostenVerkauf, WerbungAkquise, Marketing, Angebote

Neben dem einfachen Zuschlag gibt es Verrechnungssätze je Bereich und die Prozesskostenrechnung. Für die meisten kleineren Dienstleister reichen Zuschlag und Kostenstellen.

Wann ein Satz nicht mehr reicht

Wenn ein Bereich den anderen unbemerkt subventioniert

Für ein kleines Team mit ähnlichen Leistungen genügt ein Satz für das ganze Unternehmen. Schwieriger wird es, wenn sich die Bereiche stark unterscheiden: Ein Softwareteam braucht teure Lizenzen und Testumgebungen, die Beratung braucht vor allem Reisen.

Dafür gibt es die Kostenstellenrechnung. Sie zeigt, wo die Kosten entstehen, und verteilt sie auf die Bereiche, die sie verursachen. Was ein Projekt oder Kunde danach tatsächlich beiträgt, erklärt die Deckungsbeitragsrechnung.

Drei einfache Regeln helfen schon im Kleinen: Rechnen Sie den Zuschlag mindestens einmal im Jahr neu, nehmen Sie die Ist-Zahlen des Vorjahres statt des Budgets, und rechnen Sie auch die eigene Zeit als Geschäftsführung mit ein.

In teamspace

Von der einmaligen Rechnung zum laufenden Blick

Die Kosten- und Leistungsrechnung in teamspace (ab Edition office) ordnet Kostenart, Kostenstelle und Kostenträger per Regel zu und verteilt Gemeinkosten über Umlageregeln. Sie ergänzt die Finanzbuchhaltung und ersetzt sie nicht.

  • Vorbelegung von Kostenart, Kostenstelle und Kostenträger per Regel, überschreibbar.
  • Umlage mit gepflegten Gewichten, zum Beispiel nach Kopfzahl oder Fläche.
  • Plan, Ist und Abweichung je Kostenstelle und Kostenträger, mit DB I und DB II.
Auswertung in teamspace mit Balken im Zeitverlauf und Summen je Zeile.

Noch kein System im Einsatz?

Starten Sie mit unserer kostenlosen Vorlage.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gemeinkosten und Fixkosten?
Die beiden Begriffe beantworten verschiedene Fragen. Gemeinkosten und Einzelkosten unterscheiden sich darin, ob man sie einem Auftrag zuordnen kann. Fixkosten und variable Kosten unterscheiden sich darin, ob sie sich mit der Menge ändern. Miete ist meist beides, Gemeinkosten und Fixkosten, aber nicht jede Gemeinkostenart ist fix.
Welche Beispiele für Gemeinkosten gibt es bei Dienstleistern?
Miete und Nebenkosten, Software und IT, Buchhaltung, Geschäftsführung, Sekretariat, Versicherungen, Marketing und Vertrieb. Dazu kommt die nicht verrechenbare Arbeitszeit der Mitarbeitenden, also etwa interne Besprechungen, Fortbildung und Angebotserstellung.
Wie berechnet man den Gemeinkostenzuschlag?
Teilen Sie die Gemeinkosten eines Zeitraums durch die Einzelkosten desselben Zeitraums und multiplizieren Sie mit 100. Bei 360.000 Euro Gemeinkosten und 600.000 Euro Einzelkosten ergibt das einen Zuschlag von 60 Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen Fertigungs- und Materialgemeinkosten?
Beide stammen aus der Kalkulation produzierender Betriebe. Materialgemeinkosten entstehen rund um das Material, zum Beispiel im Einkauf und Lager. Fertigungsgemeinkosten entstehen in der Fertigung, ohne dass sie einem einzelnen Stück zuzuordnen sind. Dienstleister kommen meist mit einem einfacheren Schema aus.
Sollte man Gemeinkosten so niedrig wie möglich halten?
Nicht um jeden Preis. Gute Vorbereitung, Fortbildung und eine funktionierende Verwaltung sind Gemeinkosten und zugleich der Grund, warum die verkauften Stunden etwas wert sind. Entscheidend ist, dass sie im Preis enthalten sind und Sie sie kennen.

Nächster Schritt

Wissen, was nach allen Kosten übrig bleibt?

Wir zeigen Ihnen, wie in teamspace aus gebuchten Zeiten, Kosten und Umlagen ein Bild je Kostenstelle und Kostenträger entsteht. Ob das zu Ihrem Haus passt, besprechen wir offen.

30 Minuten, kostenlos, mit jemandem aus unserem Team in Darmstadt