Netzplan: welche Vorgänge den Endtermin bestimmen und welche Luft haben
Beim Gantt-Diagramm sieht man, wann etwas läuft. Der Netzplan beantwortet die unangenehmere Frage: Was darf nicht wackeln? Hier rechnen wir einen kleinen Plan komplett durch, in sechs Vorgängen und mit allen Zwischenschritten.
7 Minuten Lesezeit Stand:
Kurz erklärt
Was ist ein Netzplan?
Ein Netzplan stellt die Vorgänge eines Projekts mit ihrer Dauer und ihren Abhängigkeiten als Netz dar. Aus ihm lässt sich berechnen, wie früh das Projekt frühestens fertig sein kann, welche Vorgänge dafür keine Verzögerung vertragen (kritischer Pfad) und wie viel Spielraum die anderen haben (Puffer). Das Verfahren dahinter heißt Netzplantechnik.
- 2 Rechnungen
- Vorwärts für die frühesten, rückwärts für die spätesten Zeiten
- 0 Puffer
- haben alle Vorgänge auf dem kritischen Pfad
- 1 Kette
- ist die längste und bestimmt die Projektdauer
Ausgangslage
Sechs Vorgänge, ein Endtermin
Die Müller Consulting GmbH richtet für die Weber GmbH eine Auswertung ein. Gerechnet wird in Arbeitstagen, die Zahlen sind ausgedacht.
- A Anforderungen klären: 3 Tage, kein Vorgänger
- B Konzept schreiben: 4 Tage, nach A
- C Testdaten vorbereiten: 2 Tage, nach A
- D Umsetzung: 5 Tage, nach B und C
- E Schulung vorbereiten: 3 Tage, nach B
- F Abnahme: 2 Tage, nach D und E
Gefragt ist: Wie lange dauert das Projekt mindestens, und bei welchen Vorgängen darf es zwischendurch haken?
Die vier Schritte
So wird gerechnet
Die Zeiten sind Zeitpunkte, nicht Tage: Ein FAZ von 3 heißt, dass der Vorgang nach drei vollen Tagen beginnt, also am Morgen von Tag 4.
Vorwärtsrechnung
Von links nach rechts. Frühester Endzeitpunkt (FEZ) = frühester Anfangszeitpunkt (FAZ) plus Dauer. Der FAZ eines Vorgangs ist der größte FEZ all seiner Vorgänger, denn er muss auf den letzten warten. Der FEZ des letzten Vorgangs ist die kürzest mögliche Projektdauer.
Rückwärtsrechnung
Von rechts nach links, vom Endtermin aus. Spätester Anfangszeitpunkt (SAZ) = spätester Endzeitpunkt (SEZ) minus Dauer. Der SEZ eines Vorgangs ist der kleinste SAZ all seiner Nachfolger, denn er muss vor dem ersten von ihnen fertig sein.
Puffer
Der Gesamtpuffer ist SAZ minus FAZ. So viel darf der Vorgang später beginnen oder länger dauern, ohne dass das Projektende rutscht. Der freie Puffer ist enger: früheste Anfangszeit des Nachfolgers minus eigener FEZ. Bei mehreren Nachfolgern zählt der früheste.
Kritischer Pfad
Alle Vorgänge mit Gesamtpuffer null. Sie bilden eine durchgehende Kette vom Start bis zum Ende. Gibt es mehrere Ketten mit null Puffer, gibt es mehrere kritische Pfade.
Durchgerechnet
Alle Zeiten im Überblick
Die farbig hinterlegten Zeilen haben keinen Puffer. Probieren Sie es nach: A endet bei 3, B beginnt bei 3 und endet bei 7. D muss auf B (7) und C (5) warten und beginnt deshalb bei 7.
| Vorgang | Dauer | FAZ | FEZ | SAZ | SEZ | Gesamtpuffer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| A Anforderungen | 3 | 0 | 3 | 0 | 3 | 0 |
| B Konzept | 4 | 3 | 7 | 3 | 7 | 0 |
| C Testdaten | 2 | 3 | 5 | 5 | 7 | 2 |
| D Umsetzung | 5 | 7 | 12 | 7 | 12 | 0 |
| E Schulung | 3 | 7 | 10 | 9 | 12 | 2 |
| F Abnahme | 2 | 12 | 14 | 12 | 14 | 0 |
Rückwärts gerechnet: F endet spätestens bei 14 und beginnt spätestens bei 12. D und E müssen bis 12 fertig sein. B muss vor dem früheren Nachfolger fertig sein, das ist D mit SAZ 7, nicht E mit SAZ 9. Deshalb hat B den SEZ 7.
14 Tage
kürzeste Projektdauer im Beispiel
Kritischer Pfad
A, B, D, F: hier darf nichts verrutschen
3 + 4 + 5 + 2 = 14. Das ist die längste Kette im Netz, und jeder Tag, den ein Vorgang darauf länger dauert, verschiebt das Projektende um einen Tag.
Bei C und E dagegen sind je zwei Tage Luft. Dauern die Testdaten statt zwei vier Tage, ändert sich am Endtermin nichts. Dauern sie fünf Tage, ist der Puffer aufgebraucht und ein Tag zu viel: C endet dann bei 8, D beginnt bei 8, das Projekt ist bei 15 fertig, und der kritische Pfad läuft über A, C, D und F.
Wo es komplizierter wird
Nicht jede Abhängigkeit heißt „erst fertig, dann los“
Im Beispiel gilt überall dasselbe: Der Nachfolger beginnt, wenn der Vorgänger zu Ende ist (Normalfolge, Ende-Anfang). Es gibt drei weitere Beziehungen. Bei der Anfangsfolge starten beide gleichzeitig oder mit Versatz, bei der Endfolge enden sie gemeinsam, bei der Sprungfolge muss der Nachfolger enden, bevor der Vorgänger beginnt. Dazu kommen Wartezeiten und Vorlaufzeiten.
Der Rechenaufwand steigt dann schnell. Für fünf, sechs Vorgänge geht es von Hand, für fünfzig nimmt man Software. Für die Darstellung vor anderen taugt meist ein Gantt-Diagramm besser: Der Netzplan ist das Werkzeug der Planerin, das Gantt-Diagramm das Bild für die Besprechung.
In teamspace
Abhängigkeiten im Projektplan pflegen
In teamspace planen Sie Projekte im Zeitplan als Gantt-Diagramm.
- Vorgänger und Nachfolger: Abhängigkeiten sind mit Pfeilen verbunden, Nachfolger verschieben sich automatisch mit.
- Flexible Termine: Start und Ende eines Teilprojekts können ein Datum, ein Meilenstein oder der Bezug auf einen Vorgänger sein.
- Alles auf einmal verschieben: Das ganze Projekt lässt sich um eine Anzahl Tage verschieben, wahlweise samt Unterprojekten, Ressourcenplanung und Meilensteinen.
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Häufige Fragen
Was ist der kritische Pfad im Netzplan?
Wie berechnet man den Gesamtpuffer?
Was ist der Unterschied zwischen freiem und gesamtem Puffer?
Was bedeuten FAZ, FEZ, SAZ und SEZ?
Brauche ich einen Netzplan oder reicht ein Gantt-Diagramm?
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